Tandem2 - Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Fortbildung II

TANDEM-Vielfalt gestalten! Mitarbeiterfortbildung „Migrantenorganisationen und Kooperationen“ am 20. und 21.09.2012 in Frankfurt am Main

„Migrantenorganisationen und Kooperationen“ war der Arbeitstitel der zweiten zweitätigen Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte im Projekt „TANDEM-Vielfalt gestalten!“.

Prof. Dr. Thränhardt (Universität Münster, em.) und Promotionsstudent Stefan Metzger (Universität Münster) lieferten dabei als Referenten den bundesweit angereisten 13 teilnehmenden Projektmitarbeiter(inne)n wesentliche theoretische Grundlagen über Migrantenorganisationen. Prof. Dr. Thränhardt berichtete über Erkenntnisse zur Entstehung von Migrantenorganisationen und deren steigende gesellschaftliche Wahrnehmung in der Integrationsdebatte. Darüber hinaus ging er auf die Pluralisierung der Migrationsformen und die sich dadurch herausbildenden unterschiedlichen Typen von Migrantenorganisationen ein. Abschließend beleuchtete er die Frage der integrationsfördernden oder integrationshemmenden Funktion von Migrantenorganisationen. Stefan Metzer knüpfte an diese grundlegenden Erläuterungen mit der Präsentation der Studie „Kooperation mit Migrantenorganisationen“ an und fokussierte insbesondere die in der Studie herausgearbeiteten Erfolgs-und Misserfolgsfaktoren der untersuchten Kooperationen. Vor dem Hintergrund dieser theoretischen Erläuterungen hatten anschließend die Projektstandorte Gelegenheit, ihre Erfahrungen aus der Praxis einzubringen. So konnte eine Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen werden. Die lokalen Standorte CVJM Herford Stadt e.V., CVJM Wuppertal-Oberbarmen, CVJM Leipzig e.V. und die Evangelische Kirchengemeinde Essen-Borbeck-Vogelheim schilderten sowohl Anlaufschwierigkeiten als auch erste gemeinsame Schritte in der Kooperation mit Migrantenorganisationen und berichteten ebenfalls von bereits gut funktionierenden Zusammenschlüssen. Zu berücksichtigen seien in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen lokalen soziostrukturellen Voraussetzungen des bundesweiten Projektes.

In einem regen Austausch zwischen den lokalen Standorten wurde festgehalten, dass ein Kooperationsaufbau mit einer Migrantenorganisation immer als Prozess und Beziehungsarbeit zu verstehen sei, der sich im Laufe der Zeit und mit viel Vertrauen langsam aufbaue und dann auch weiter entwickele. Eine zu große (öffentliche) Erwartungshaltung verhindere eher den „auf gleicher Augenhöhe“ angestrebten Dialog und beachtet möglicherweise Professionalisierungsunterschiede nicht. Kritisch wurde die Förderpraxis im Bereich von Kooperationen mit Migrantenorganisationen gesehen. Eine nachhaltige und kontinuierliche Förderung von Kooperationsprojekten wäre wünschenswert.

Die Erfahrungen im TANDEM-Projekt decken sich an vielen Punkten mit den zuvor dargestellten Ergebnissen der Studie. In einem abschließenden Schritt wurden aus den diskutierten Erfahrungen Handlungsempfehlungen für die konkrete Arbeit vor Ort abgeleitet: ohne ein beidseitiges und ehrliches Interesse an einer Kooperation wird man nur selten „aufstehen, aufeinander zugehen, und voneinander lernen, miteinander umzugehen. Aufstehen, aufeinander zugehen und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen.“ (Aus dem Lied „Aufstehn, aufeinanderzugehn“; Text: Clemens Bittlinger, Musik: Purple Schulz/ J. Piek/ C. Bittlinger).